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Montag, 11. Juni 2012
Monster
hh_stock, 00:44h
Anders kann man die riesigen Kraene nicht beschreiben. Sie ragen ja auch wie ein Hochhaus ueber uns. Eigentlich wollte ich mir das Laden direkt anschauen, aber eben hab ich es doch mit der Angst gekriegt... Da "schweben" zig Tonnen nur wenige Meter an einem vorbei. Und das in einem Affenzahn. Wenn da nur irgendein Greifer nicht haelt, bin ich platt! Und wenn der ganze Kran umfaellt? In Wilhelmshaven haben sie ja auch Probleme mit der Kaimauer...?! Uuh...ich glaube, ich traeume heute ganz schrecklich...


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Von der Foerde bis zur Weser
hh_stock, 22:22h
Frueh morgens, um nicht zu sagen, vor dem Aufwachen: Anfahrt auf Kiel. Schnell auf die Bruecke, die Treppen foerdern das Wachwerden. Steuerer (im Kanal kommt ein speziell ausgebildeter Rudergaenger an Bord, der das Schiff faehrt) und Lotse sind irgendwie schon viel munterer. Das Schleusen geht fix. Es lohnt sich nicht, nochmal schlafen zu gehen. Also zwei Stunden noch bis zum Fruehstueck ausharren :-(
Trost: die Fahrt zwischen den taunassen Weiden und den Kuehen hindurch.
Und schon ist wieder Brunsbuettel erreicht. Wir werden in die Schleuse mit zwei anderen reingequetscht. In der Schleusenkammer nebenan das gleiche. Soviel Schiff auf einmal!
Als der Lotse das Schiff verlaesst, wirft er mir noch ein "da draussen wird es ein wenig ruppig" zu. Na Klasse... Ich will das Mittagessen nicht gleich wieder ausspucken... Als versierter Kotzexperte weiss ich, es gibt nur zwei Sachen, die wirklich helfen. In die Koje legen - oder gar nicht erst an Bord gehen.
Also: Koje! Ich geniesse sogar richtig das Schaukeln, muss nur manchmal die aufspringende Schranktuer schliessen oder die Hefte vom Fussboden auflesen.
Ploetzlich: Ruhe im Schiff und kein Schaukeln mehr. Muss wohl etwas eingenickt sein. Wir liegen auf Reede in der Wesermuendung. Wie ich hoere, ist unser Liegeplatz noch nicht frei.
Waehrend des Spanien-Italien-Spiels Anfahrt auf Bremerhaven. Wahnsinn, diese kilometerlange Kaje. Ein riesiger Kran neben dem anderen. Davor winzig wirkende Frachter. Und diese vermeintlichen Winzlinge sind z.B. die Estelle Maersk. Eines der groessten Containerschiffe, die es gibt! Absolut beeindruckend.
Die Jungs muessen wieder raus, Leinen fertigmachen. Das 1:1 kriegen sie nicht mit.
Trost: die Fahrt zwischen den taunassen Weiden und den Kuehen hindurch.
Und schon ist wieder Brunsbuettel erreicht. Wir werden in die Schleuse mit zwei anderen reingequetscht. In der Schleusenkammer nebenan das gleiche. Soviel Schiff auf einmal!
Als der Lotse das Schiff verlaesst, wirft er mir noch ein "da draussen wird es ein wenig ruppig" zu. Na Klasse... Ich will das Mittagessen nicht gleich wieder ausspucken... Als versierter Kotzexperte weiss ich, es gibt nur zwei Sachen, die wirklich helfen. In die Koje legen - oder gar nicht erst an Bord gehen.
Also: Koje! Ich geniesse sogar richtig das Schaukeln, muss nur manchmal die aufspringende Schranktuer schliessen oder die Hefte vom Fussboden auflesen.
Ploetzlich: Ruhe im Schiff und kein Schaukeln mehr. Muss wohl etwas eingenickt sein. Wir liegen auf Reede in der Wesermuendung. Wie ich hoere, ist unser Liegeplatz noch nicht frei.
Waehrend des Spanien-Italien-Spiels Anfahrt auf Bremerhaven. Wahnsinn, diese kilometerlange Kaje. Ein riesiger Kran neben dem anderen. Davor winzig wirkende Frachter. Und diese vermeintlichen Winzlinge sind z.B. die Estelle Maersk. Eines der groessten Containerschiffe, die es gibt! Absolut beeindruckend.
Die Jungs muessen wieder raus, Leinen fertigmachen. Das 1:1 kriegen sie nicht mit.
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Zurueck nach Kiel
hh_stock, 06:57h
Das Einschlafen ist nicht ganz leicht. Das Schiff knattert, knarzt, quietscht. Es hoert sich an wie ein Gueterzug mit voller Geschwindigkeit. Und das sind wir ja auch irgendwie: Container an Bord und volle Kanne voraus zum naechsten Zielhafen Bremerhaven.
Mittlerweile kaempfe ich mit dem Koch einen Kampf, den ich hoffnungslos verlieren werde: sein nahrhaftes Essen gegen mein unermuedliches Treppensteigen. Heute z.B. Leberkaes mit Spiegelei. Zum Fruehstueck wohlgemerkt! Ein Glueck, dass ich nur eine Woche an Bord bin, alles andere moechte ich mir nicht ausmalen.
Links Bornholm, rechts Schweden im Dunst. Vor uns kreuzt einer der riesigen Maersk-Frachter unseren Weg. Ich sitze wieder bequem auf meiner Bank auf der Bruecke, freue mich des Lebens und an den Erzaehlungen des Zweiten Offiziers. Malaria in Westafrika, wochenlang vor St. Petersburg eingefroren, Holzladung, die Sauerstoff frisst, erstickende Seeleute. Gruselig. Komme mir bald vor wie die Neffen, die Kaeptn Blaubaer lauschen. Interessant ist aber auch, zu hoeren, das Seeleute ganz unterschiedliche Vertraege haben. Mal 2 Monate Arbeit und zwei Monate frei; mal 4 und 4. Ein gutes Gehalt - aber nur waehrend der Arbeit, nicht in der freien Zeit. Und dass die Gewerkschaft der Seeleute weltweit erheblichen Einfluss hat: ein Wink und fix ist ein Schiff lahmgelegt. Viel neues gelernt
Ruegen ist sichtbar. Die Mecklenburger Kueste taucht auf. Und schon wieder ueberholt uns ein Schiff. "Helle Ritscher". Das maritime Vagabundenleben geht langsam vorbei, die Arbeit ruft wieder...
Mittlerweile kaempfe ich mit dem Koch einen Kampf, den ich hoffnungslos verlieren werde: sein nahrhaftes Essen gegen mein unermuedliches Treppensteigen. Heute z.B. Leberkaes mit Spiegelei. Zum Fruehstueck wohlgemerkt! Ein Glueck, dass ich nur eine Woche an Bord bin, alles andere moechte ich mir nicht ausmalen.
Links Bornholm, rechts Schweden im Dunst. Vor uns kreuzt einer der riesigen Maersk-Frachter unseren Weg. Ich sitze wieder bequem auf meiner Bank auf der Bruecke, freue mich des Lebens und an den Erzaehlungen des Zweiten Offiziers. Malaria in Westafrika, wochenlang vor St. Petersburg eingefroren, Holzladung, die Sauerstoff frisst, erstickende Seeleute. Gruselig. Komme mir bald vor wie die Neffen, die Kaeptn Blaubaer lauschen. Interessant ist aber auch, zu hoeren, das Seeleute ganz unterschiedliche Vertraege haben. Mal 2 Monate Arbeit und zwei Monate frei; mal 4 und 4. Ein gutes Gehalt - aber nur waehrend der Arbeit, nicht in der freien Zeit. Und dass die Gewerkschaft der Seeleute weltweit erheblichen Einfluss hat: ein Wink und fix ist ein Schiff lahmgelegt. Viel neues gelernt
Ruegen ist sichtbar. Die Mecklenburger Kueste taucht auf. Und schon wieder ueberholt uns ein Schiff. "Helle Ritscher". Das maritime Vagabundenleben geht langsam vorbei, die Arbeit ruft wieder...
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Von Ostsee und Maelaren
hh_stock, 06:51h
Nach dem Abendessen ein wenig an die Luft. Man hat ja nicht jeden Tag die Gelegenheit, einen Abendspaziergang "am Meer" zu machen ;-)
Die Verblueffung ist gross: das ist ja Rostock querab?! Morgens Brunsbuettel, abends schon Rostock.Wow! Wir haetten mehrere Tage gebraucht: Vom Segelschiff kommend sind das hier einfach ganz andere Geschwindigkeitsdimensionen.... Scotty, beam me up.
Am naechsten Morgen Pazifik- Feeling: kein Land, kein Schiff zu sehen. Zeit zu lesen, Zeit, den Schlaf nachzuholen. Im Hintergrund der sonore Schiffsdiesel. Da muesste selbst jedes Schreibaby einschlafen...
Mittags streike ich: ich will kein Mittagessen! 7:30 Fruehstueck, 12 Mittag, 17:30 Abendessen. Immer warm, auch das Fruehstueck. Sorry, V., ich lasse einmal aus... auch, wenn Dein Essen wirklich gut schmeckt. Nur die Banane vom Abendessen gestern, das reicht.
Zwischen Oeland und Gotland hindurch sind nur wenige Schiffe zu sehen. Zeit zum Inspizieren der Maschine. 8 Decks runter. P. zeigt stolz sein Reich. Es ist warm, gut 30 Grad. Und laut. Nebenan liegt die Elektrik, ein Schrank neben dem anderen, ueberall Kontrolldisplays. Daneben der Werkzeugkeller komplett mit Drehbaenken und allem Drum und Dran. Als russischer U-Boot-Offizier hat er diese verwirrende Komplexitaet sicher im Griff.
Ich frage P., warum die Dezember- / Januarreisen mit diesem Schiff wenig gebucht sind, mit dem Eis muss es doch interessant sein. Ja, aber auch sehr stuermisch, meint er. Er schlaefe dann im Maschinenraum. Da schaukele es nicht so. Oben auf der Bruecke wuerden sie sich festkrallen wie die Affen, wenn das Schiff auf- und abhuepfe. Sein Mitleid mit den Offizieren scheint sich in Grenzen zu halten.
Wieder 8 Decks hoch. Zurueck auf die Bruecke. Von einem dort plazierten Sofa (geniale Idee des Schiffskonstrukteurs!) aus die Weite und den Horizont geniessen. Blog schreiben. "17:30. Dinner" grinst der Erste Offizier. Oh Mannn, richtig Hunger hab ich eigentlich noch nicht? Nun denn, ich gebe meinen Widerstand auf - und huepfe die 6 Decks zur Messe wieder runter....
22 Uhr, die Sonne geht unter, wir fahren mit Schleichfahrt in die Schaeren ein. Keine Panik, der Lotse ist an Bord! Ueberall Inseln, kleine Inseln, Inselchen und Felsen mit Baeumchen. Der Himmel quietscheorange bis blau in allen Schattierungen. Gottseidank hat der Lotse Ahnung, wo's langgeht. Hoffe ich zumindest. Fuer mich ist es einfach nur ein grandioses Schauspiel, durch das Wasserlabyrinth zu fahren. Und das von meinem tollen Sofa oben auf der Bruecke - kein noch so spannender Film koennte mich mehr fesseln!!
0 Uhr, die Crew wird geweckt fuers Anlegemanoever. Ich leide mit den Jungs. Aus dem Schlaf gerissen in die Kaelte raus ist immer aetzend. Irgendwie habe ich ein komisches Gefuehl, sie da alleine werkeln zu lassen, auf unserem Schiff muss ja auch jeder ran. Aber hier darf ich gar nicht.
0:30, wir sind fest in Soedertaelje bei Stockholm. Es ist immer noch ziemlich hell - nicht nur St. Petersburg hat seine Weissen Naechte.
Punkt 7 Uhr fangen sie an zu laden. Rums, der Container steht. Rums, der zweite auch. Rums. Ich stehe auf. Gibt sowieso gleich Fruehstueck.
Bis 15 Uhr ist Freigang, das reicht fuer einen Sprung in die Stadt. Endlich wieder horizontal laufen, das liegt mir deutlich mehr als das vertikale (Ihr wisst schon: 8 Decks hoch und so...). Die Stadt ist nicht wirklich sehenswert, aber es gibt Supermaerkte mit leckerem Joghurt :-)
Der Maelaren! Mit einem Frachter auf einen Binnensee. Nun geht es los. Aber davor gibt es eine kleine Schleuse. Klein, genau. Sehr klein. Winzig klein. Ich weiss, das ich nicht schaetzen kann, der Lotse schon, nehme ich mal an. Wird also passen. Als wir drin sind, sehe ich keine Schleuse mehr. Wir fuellen alles aus.
Der Maelarensee weitet sich schnell, Birken und Nadelbaeume saeumen die Ufer. "Wie zu Hause in Karelien", meint der Chief Engineer.
Immer wieder kleine Inseln. Es sieht aus wie draussen im Schaerengarten - nur beim Ueberbordgehen schluckt man kein Salzwasser.
Der Lotse steuert selber, das Fahrwasser ist eng trotz des riesigen Sees. Mal eine 90, mal eine 140 Grad Wende - ich bin verbluefft, wie wendig so ein Frachtschiff ist. Es biegt um die "Kurve" fast wie ein Auto. Wenn ich denke, ich habe die Durchfahrt durch die naechsten Inseln erspaeht, zack, dann drehen wir schon wieder und laufen einen ganz anderen Kurs. Es macht richtig Spass, hier herumzukurven.
Nebenbei erzaehlt der Lotse einiges. War mal in Papenburg. Ahja. Meyer-Werft? Ja, halbes Jahr einen Schiffbau begleitet. Als Schiffbau-Ingenieur??? Nee, er sei ja Kapitaen. Ob ich z.B. die "Norwegian Dream" kenne? Wow. Diese Fahrt wird ja immer genialer... Zwei Reisefanatiker unter sich. Warst Du schon hier? Dort? Wir checken verschiedene Reiseziele ab. Ich kann zwar nicht wirklich mithalten, aber wenigstens ein paar touristische Highlights in Deutschland empfehlen...
Vaesteras. Der noerdlichste Punkt der Reise. Ganz am Ende des Maelarensees. Wir kommen abends an, nach Feierabend. Ent- und beladen wird erst am naechsten Morgen um 7 Uhr. Also eine ruhige Nacht ohne Rums.
Rums? Kein Rums? Es ist kurz nach 7 Uhr und Stille. Hey Leute! So verpasse ich noch fast das Fruehstueck! Anschliessend der Weg in die Stadt - ein paar Kilometer horizontal. Mit Palmen geschmueckt. 100.000 Einwohner. Fussgaengerzone, Dom, Altstadt. Eine schoene Hafencity. Yachthaefen. Abiturienten ziehen mit ihren typischen Muetzen freudestrahlend durch die Stadt. Eine angenehm entspannte Stimmung.
Waehrenddessen: Rums. Dutzende Container sind schon geladen, als ich zurueckkomme. Dutzende folgen noch. Gut so. Dann liegt das Schiff ruhiger, wenn es Sonntag ueber die Nordsee nach Bremerhaven geht...
In den Abend, in die Nacht hinein geht es jetzt erstmal wieder zurueck nach Sueden ueber Soedertaelje in die Ostsee. Es ist nicht lange her, dass wir den Weg gefahren sind, aber ich wuerde aus diesem Labyrinth nicht rausfinden :-(
Schon sind wir wieder im Schaerengarten. Weniger Baeume als auf den Inseln des Maelarensee, der Wellengang verstaerkt sich. Bald kommt die Ostsee. Bin grad alleine mit Lotsen und Kaepten. Der Rest sitzt im Fernsehzimmer. Russland gegen Tschechien. Das Daumendruecken duerfte ziemlich klar sein: die meisten Jungs sind aus Russland und der Ukraine.
Uih, hoffentlich ist es jetzt nicht grad superspannend: der Kaepten ruft zum Lotsenleiterfertigmachen. Jetzt muessen mindestens zwei den Fussball Fussball sein lassen... Ein Glueck, dass es kein Endspiel ist, sonst gaebe es womoeglich eine Meuterei ;-)
Meutern tut schon mal das Wetter. Von jetzt auf gleich wird es diesig. Nach achtern raus noch ein quietschorangener Sonnenuntergang, vor uns schon alles grau. Kein Himmel, kein Wasser, kein Horizont mehr zu sehen. Naja, ist jetzt sowieso Zeit zum Schlafengehen. Ein 8-Stundentag See- und Schaerengucken ist schliesslich anstrengend ;-)
Die Verblueffung ist gross: das ist ja Rostock querab?! Morgens Brunsbuettel, abends schon Rostock.Wow! Wir haetten mehrere Tage gebraucht: Vom Segelschiff kommend sind das hier einfach ganz andere Geschwindigkeitsdimensionen.... Scotty, beam me up.
Am naechsten Morgen Pazifik- Feeling: kein Land, kein Schiff zu sehen. Zeit zu lesen, Zeit, den Schlaf nachzuholen. Im Hintergrund der sonore Schiffsdiesel. Da muesste selbst jedes Schreibaby einschlafen...
Mittags streike ich: ich will kein Mittagessen! 7:30 Fruehstueck, 12 Mittag, 17:30 Abendessen. Immer warm, auch das Fruehstueck. Sorry, V., ich lasse einmal aus... auch, wenn Dein Essen wirklich gut schmeckt. Nur die Banane vom Abendessen gestern, das reicht.
Zwischen Oeland und Gotland hindurch sind nur wenige Schiffe zu sehen. Zeit zum Inspizieren der Maschine. 8 Decks runter. P. zeigt stolz sein Reich. Es ist warm, gut 30 Grad. Und laut. Nebenan liegt die Elektrik, ein Schrank neben dem anderen, ueberall Kontrolldisplays. Daneben der Werkzeugkeller komplett mit Drehbaenken und allem Drum und Dran. Als russischer U-Boot-Offizier hat er diese verwirrende Komplexitaet sicher im Griff.
Ich frage P., warum die Dezember- / Januarreisen mit diesem Schiff wenig gebucht sind, mit dem Eis muss es doch interessant sein. Ja, aber auch sehr stuermisch, meint er. Er schlaefe dann im Maschinenraum. Da schaukele es nicht so. Oben auf der Bruecke wuerden sie sich festkrallen wie die Affen, wenn das Schiff auf- und abhuepfe. Sein Mitleid mit den Offizieren scheint sich in Grenzen zu halten.
Wieder 8 Decks hoch. Zurueck auf die Bruecke. Von einem dort plazierten Sofa (geniale Idee des Schiffskonstrukteurs!) aus die Weite und den Horizont geniessen. Blog schreiben. "17:30. Dinner" grinst der Erste Offizier. Oh Mannn, richtig Hunger hab ich eigentlich noch nicht? Nun denn, ich gebe meinen Widerstand auf - und huepfe die 6 Decks zur Messe wieder runter....
22 Uhr, die Sonne geht unter, wir fahren mit Schleichfahrt in die Schaeren ein. Keine Panik, der Lotse ist an Bord! Ueberall Inseln, kleine Inseln, Inselchen und Felsen mit Baeumchen. Der Himmel quietscheorange bis blau in allen Schattierungen. Gottseidank hat der Lotse Ahnung, wo's langgeht. Hoffe ich zumindest. Fuer mich ist es einfach nur ein grandioses Schauspiel, durch das Wasserlabyrinth zu fahren. Und das von meinem tollen Sofa oben auf der Bruecke - kein noch so spannender Film koennte mich mehr fesseln!!
0 Uhr, die Crew wird geweckt fuers Anlegemanoever. Ich leide mit den Jungs. Aus dem Schlaf gerissen in die Kaelte raus ist immer aetzend. Irgendwie habe ich ein komisches Gefuehl, sie da alleine werkeln zu lassen, auf unserem Schiff muss ja auch jeder ran. Aber hier darf ich gar nicht.
0:30, wir sind fest in Soedertaelje bei Stockholm. Es ist immer noch ziemlich hell - nicht nur St. Petersburg hat seine Weissen Naechte.
Punkt 7 Uhr fangen sie an zu laden. Rums, der Container steht. Rums, der zweite auch. Rums. Ich stehe auf. Gibt sowieso gleich Fruehstueck.
Bis 15 Uhr ist Freigang, das reicht fuer einen Sprung in die Stadt. Endlich wieder horizontal laufen, das liegt mir deutlich mehr als das vertikale (Ihr wisst schon: 8 Decks hoch und so...). Die Stadt ist nicht wirklich sehenswert, aber es gibt Supermaerkte mit leckerem Joghurt :-)
Der Maelaren! Mit einem Frachter auf einen Binnensee. Nun geht es los. Aber davor gibt es eine kleine Schleuse. Klein, genau. Sehr klein. Winzig klein. Ich weiss, das ich nicht schaetzen kann, der Lotse schon, nehme ich mal an. Wird also passen. Als wir drin sind, sehe ich keine Schleuse mehr. Wir fuellen alles aus.
Der Maelarensee weitet sich schnell, Birken und Nadelbaeume saeumen die Ufer. "Wie zu Hause in Karelien", meint der Chief Engineer.
Immer wieder kleine Inseln. Es sieht aus wie draussen im Schaerengarten - nur beim Ueberbordgehen schluckt man kein Salzwasser.
Der Lotse steuert selber, das Fahrwasser ist eng trotz des riesigen Sees. Mal eine 90, mal eine 140 Grad Wende - ich bin verbluefft, wie wendig so ein Frachtschiff ist. Es biegt um die "Kurve" fast wie ein Auto. Wenn ich denke, ich habe die Durchfahrt durch die naechsten Inseln erspaeht, zack, dann drehen wir schon wieder und laufen einen ganz anderen Kurs. Es macht richtig Spass, hier herumzukurven.
Nebenbei erzaehlt der Lotse einiges. War mal in Papenburg. Ahja. Meyer-Werft? Ja, halbes Jahr einen Schiffbau begleitet. Als Schiffbau-Ingenieur??? Nee, er sei ja Kapitaen. Ob ich z.B. die "Norwegian Dream" kenne? Wow. Diese Fahrt wird ja immer genialer... Zwei Reisefanatiker unter sich. Warst Du schon hier? Dort? Wir checken verschiedene Reiseziele ab. Ich kann zwar nicht wirklich mithalten, aber wenigstens ein paar touristische Highlights in Deutschland empfehlen...
Vaesteras. Der noerdlichste Punkt der Reise. Ganz am Ende des Maelarensees. Wir kommen abends an, nach Feierabend. Ent- und beladen wird erst am naechsten Morgen um 7 Uhr. Also eine ruhige Nacht ohne Rums.
Rums? Kein Rums? Es ist kurz nach 7 Uhr und Stille. Hey Leute! So verpasse ich noch fast das Fruehstueck! Anschliessend der Weg in die Stadt - ein paar Kilometer horizontal. Mit Palmen geschmueckt. 100.000 Einwohner. Fussgaengerzone, Dom, Altstadt. Eine schoene Hafencity. Yachthaefen. Abiturienten ziehen mit ihren typischen Muetzen freudestrahlend durch die Stadt. Eine angenehm entspannte Stimmung.
Waehrenddessen: Rums. Dutzende Container sind schon geladen, als ich zurueckkomme. Dutzende folgen noch. Gut so. Dann liegt das Schiff ruhiger, wenn es Sonntag ueber die Nordsee nach Bremerhaven geht...
In den Abend, in die Nacht hinein geht es jetzt erstmal wieder zurueck nach Sueden ueber Soedertaelje in die Ostsee. Es ist nicht lange her, dass wir den Weg gefahren sind, aber ich wuerde aus diesem Labyrinth nicht rausfinden :-(
Schon sind wir wieder im Schaerengarten. Weniger Baeume als auf den Inseln des Maelarensee, der Wellengang verstaerkt sich. Bald kommt die Ostsee. Bin grad alleine mit Lotsen und Kaepten. Der Rest sitzt im Fernsehzimmer. Russland gegen Tschechien. Das Daumendruecken duerfte ziemlich klar sein: die meisten Jungs sind aus Russland und der Ukraine.
Uih, hoffentlich ist es jetzt nicht grad superspannend: der Kaepten ruft zum Lotsenleiterfertigmachen. Jetzt muessen mindestens zwei den Fussball Fussball sein lassen... Ein Glueck, dass es kein Endspiel ist, sonst gaebe es womoeglich eine Meuterei ;-)
Meutern tut schon mal das Wetter. Von jetzt auf gleich wird es diesig. Nach achtern raus noch ein quietschorangener Sonnenuntergang, vor uns schon alles grau. Kein Himmel, kein Wasser, kein Horizont mehr zu sehen. Naja, ist jetzt sowieso Zeit zum Schlafengehen. Ein 8-Stundentag See- und Schaerengucken ist schliesslich anstrengend ;-)
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